Chorszenen in der Chorszene

die Welt steht Kopf

Seit Corona unsere Welt auf den Kopf stellt, ist Verwirrung in der Chorszene Programm. Wer darf wo mit welchem Hygienekonzept in welcher Stufe proben, welche Veranstaltungen können geplant werden, welche werden mit welchem Vorlauf abgesagt? Wer trägt die Verantwortung für das Singen im Chor, wer die für die Kontaktdatenerfassung bei Veranstaltungen? Warum gelten für Kirchenchöre je nach Landeskirche andere Regelungen als für Vereins-Chöre? Chorsingen gilt inzwischen als eins der gefährlichsten Hobbies der Welt. Dazu kann ich aus meiner Perspektive sagen: Meine Chöre halten nicht nur sämtliche Vorschriften ein, sondern die Vorstandschaften gehen mit Augenmaß und pragmatischer Vernunft durch diese Krise des Chorsingens – mit mir gemeinsam und in enger Abstimmung über die Modalitäten. Der ständige heiße Draht kostet diese Ehrenamtlichen Zeit und Kraft, aber sie tun es für die Gemeinschaft ihrer Chöre und damit den Sänger*innen so viel Gutes. Warum Chorsingen so gesund ist, haben Sie hier sicherlich bereits gelesen.

Chorszenen in der Chorszene zu beobachten, ist derzeit häufig eine schmerzhafte Angelegenheit; die einen zerfleischen sich ob der Einschränkungen, die nächsten verschwinden wortlos in der Versenkung, wieder andere ziehen von Anfang an alles gemeinsam durch und ein Teil der Chöre zollt der Überalterung Tribut und löst sich auf. Ich sehe Chorszenen voller Wohlwollen und geteilter Energie, Menschen, die plötzlich über sich hinauswachsen und sich einbringen, wo sie es vor Corona nicht getan hätten, erschöpfte Ehrenamtliche, denen andere helfend zur Seite springen und Chöre, die nicht singend an den Trauerfeiern für ihre verstorbenen Mitglieder teilnehmen können, die aber dann versuchen, ihre geliebte Musik auf anderen Wegen zu den trauernden Angehörigen zu bringen.

der Chorszene wird viel zugemutet

Wenn ich das bei meinen eigenen und den Chören meiner Kolleg*innen anschaue, kommen mir oft die Tränen und das darf dann auch sein – es ist viel, was der Chorszene, die nicht zum elitären Teil der viel beachteten und unterstützten oberen Prozent zählt, zugemutet wird. Die Vernunft und der Mut, mit denen diese Ehrenamtlichen an der Basis ihr Amt ausüben, die Energie, die sie in diesem Vorschriften-Chaos immer wieder investieren, um anderen Menschen eine Freude zu machen, auch wenn wir in der nächsten Probe natürlich wieder kalte Füße bekommen, zeigen mir aber ganz genau: Bei euch bin ich richtig. Denn das sind eben auch Chorszenen: Die einzelnen Proben, bei der wir alle beim Singen die Zeit vergessen und diese ganz besondere Freude an der Musik teilen. Wir kommen da gemeinsam durch. Ob unsere Adventskonzerte stattfinden können oder nicht – der nächste Sommer gehört euch.